4. / 5.September 2011
Mit 15 kg Gepäck fuhren wir mit dem Zug nach Frankfurt, um dann mit Ethiopian Airlines nach Addis Abeba abzuheben. Zum größten Teil waren Äthiopier und Afrikatouristen wie wir in der Maschine. Da wir nachts flogen, erwachten wir über dem grünen Bergland Äthiopiens, welches von tiefen Tälern und Flüssen durchzogen wurde. Wir landeten auf einem sehr puristisch ausgestatteten Flughafen, wo es viel Personal gab und ein kommunistischer Charme zu verspüren war. Nach 2 Stunden Aufenthalt ging es weiter und schon nach kurzer Zeit waren wir über Tansania. Am Horizont konnte man die Umrisse des Kilimanjaro erkennen und der Landeanflug auf Arusha fand parallel zum Mount Meru statt. Am Flughafen wollte uns ein übereifriger Beamter schon stressen, weil wir keine Gelbfieberimpfung hatten. Er ließ sich schnell überreden, sich ein paar andere Touristen zu suchen, welche er mit seinem wichtigen Gehabe nerven konnte.
Am Flughafen wurden wir von Rebecca, Manuel, John und einem Fahrer abgeholt. Wir fuhren in den Verkehrstrubel der Stadt hinein, tauschten mehrere Tausender wertloser, abgegriffener Schillinge und gingen etwas essen. Das Essen erinnerte uns vom Geschmack an gutes indisches Essen.
Das Gästehaus, welches Rebecca und John für uns ausgesucht hatten, war eine Zimmerreihe in einer Sportbar, in der den ganzen Tag englische Championsleague-Spiele sowie Analysen liefen. Es war sauber und einfach, dafür hatte es auch einen unschlagbar guten Preis. Es lag 5 Gehminuten von Johns Schwester entfernt und am Abend waren wir auch zum Essen eingeladen.
6. September
Den Vormittag des ersten Tages in Arusha verbrachten wir in der Vorschule, welche von Emanuela geleitet wird. Wir waren von unzähligen schwarzen Afrikanern in Uniform umgeben.
Am Nachmittag fuhren wir dann mit einem Sammeltaxi in die Stadt zum Einkaufen. Vorher waren wir noch typisch tansanisch essen. Wir drängten uns durch die Gassen des Marktes und kauften einige Stoffe, aus denen wir uns Kleider schneidern lassen wollten.
7. September
Heute startete unsere Tour in den Arusha Nationalpark, wo uns eine 4 tägige Trekkingtour auf den Mount Meru bevorstand. Dort angekommen stellten wir uns gleich auf das afrikanische Arbeitstempo ein und chillten erst einmal bis alle Formalitäten erledigt waren am Momela Gate (1500 Meter). Die Deutschen, welche gestern das typisch tansanische Fleisch gegessen hatten, konnten nicht die ganze Zeit so chillig sein. Wir stiegen mit einem Ranger über die savannenartigen Berghänge, vorbei an Büffeln und Warzenschweinen, hinauf zu unserem ersten Camp. Wir hatten einen wunderschönen Ausblick auf die Ebene des Aruscha Nationalparks und die Momela Seen.
Nachdem wir uns im 1. Camp eingerichtet hatten, gab es auch schon das Abendessen und die Wolkendecke öffnete sich etwas, so dass wir einen Blick auf den Kilimanjaro erhaschen konnten.
8. September
Am Morgen hingen die Wolken direkt in unserem Camp und regneten sich auch dort ab. Dies musste wohl öfters so sein, da der Regenwald einen gespenstischen Eindruck machte. Die Bäume waren Moos behangen, überall dampfte der Nebel, es roch nach Büffel und außer den Schritten der Touristen war nichts zu hören. Wir stiegen steile Holztreppen hinauf und nach einiger Zeit durchbrachen wir die Wolkendecke und ein strahlend blauer Himmel begrüßte uns. Wir sahen den Kilimanjaro in seiner ganzen Pracht sowie den Little Meru und die Caldera des Mount Meru. Nach 4 Stunden erreichten wir das Saddle Hut Camp (3500 Meter). Nun brauchten wir endlich die Sonnencreme. Wir richteten uns ein und machten einen Spaziergang auf den Little Meru (3800 Meter).
Der Ausblick war fantastisch, Kilimanjaro, Mount Meru mit seiner riesigen Caldera und in der Mitte der Ash Cone, welcher das letzte Mal 1911 ausgebrochen war.
Von dem fehlenden Sauerstoff in unserem Gehirn fühlten wir uns etwas high. Am Abend spürten wir dann die ersten Symptome der Höhenkrankheit, keinen Appetit trotz leckerem Essen sowie beginnende Kopfschmerzen. Wir schliefen ein paar Stunden, da wir um 1.30 Uhr in der Nacht zum Gipfel aufsteigen wollten.
9. September
Wir starteten mit all unserer Kleidung und den Stirnlampen auf dem Kopf in tiefster Dunkelheit und Kälte. Nach unzähligen, staubigen Wegwindungen erreichten wir den Rhino Point (3800 Meter). Es fegte ein eisiger Wind, aber hinter dem Mount Meru war der Mond zu sehen, welcher uns etwas Hoffnung gab. Zum Glück sah man im Dunkeln nicht, wie ausgesetzt der Weg teilweise war und was uns noch bevorstand. Durch den steilen, rutschigen Geröllweg vergaß man immer wieder die Kälte, welche immer mehr in die Glieder kroch. Wir überholten eine Trekkerkolonne nach der anderen.
Langsam ging die Sonne auf und das rote Band am Horizont wurde nur vom Kilimanjaro durchschnitten. Die letzten 100 Meter zum Gipfel forderten noch mal alles. Schwer atmend, frierend und erschöpft kletterten wir das letzte Stück zum Socialist Point mit der tansanischen Flagge hinauf. Das Gipfelbier, auf welches wir uns schon so lange gefreut hatten, wir aber erst 6.45 Uhr öffnen durften, schmeckte so kalt und scheußlich, dass wir es bereuten, es hoch getragen zu haben. Dafür erlebten wir einen grandiosen Sonnenaufgang auf 4562 Meter. Unser Guide drängte uns zum aufbrechen, da wir noch einen langen Tag vor uns hatten. Erst beim Abstieg sahen wir das Eis auf den Steinen sowie die steilen Abhänge, welche rechts und links in die Tiefe führten.
Gegen 14.45 Uhr erreichten wir das Saddle Hut Camp, wo wir eine Essenspause einlegten um dann weiter zum ersten Camp liefen. Wir wurden von Vögeln und Affen begleitet. Nach dem Abendessen verkrochen wir uns müde in die Schlafsäcke und waren froh, dass die Kopfschmerzen endlich wieder weg gingen.
10. September
Wir standen 6.00 Uhr morgens auf und übergaben unserer Crew, welche aus 12 Trägern, 2 Guides und dem Koch bestand das Trinkgeld. Wir stiegen durch den Nebel verhangenen Wald hinunter zum Momela Gate. Dieser Weg war schöner als der Aufstieg und wir sahen viele Tiere. Es ging zurück nach Arusha, wo unsere Fotos von John’s Familie mit Ohhh und Ahhh betrachtet wurden. Niemand konnte sich hier vorstellen, dass man freiwillig so etwas auf sich nimmt. Geschweigedennn wußte niemand, wie es da oben aussieht.
11. September
Wir wurden 9.00 Uhr am Guesthouse abgeholt und fuhren durch eine trockene, staubige Gegend, wo viele Massai ihre Rinder und Schafe hüteten.
Nach 3 Stunden erreichten wir den Campingplatz vor dem Tarangire Nationalpark. Unzählige Elefanten, Zebras, Gnus, Giraffen, Impalas und Antilopen gab es zu sehen und die Tiere kamen näher als im Zoo.
Wenn man so etwas gesehen hat, kann ein Tierpark keine Faszination mehr auf einen ausüben.
12. September
Wir fuhren früh morgens noch einmal in den Park, es waren weniger Tiere unterwegs, dafür andere.
Strauße bei der Balz, Elefanten die zum Wasser zogen und ein Löwe, welcher satt und träge unter einem Baum lag.
Nach dem Mittag fuhren wir dann 3 Stunden in den Ngorongoro Nationalpark. Vom Zeltplatz aus hatten wir einen gigantischen Blick in den Krater.
13. September
8.00 Uhr fuhren wir die steile Straße durch den Nebel hinunter in den Krater. Riesige Herden Zebras, Gnus und Büffel waren unterwegs. Dazwischen immer wieder Hyänen. Ein Gepard lag faul in der Sonne, Flusspferde lagen träge in ihren Tümpeln.
Sobald ein Tier zu sehen war, stand plötzlich eine Kolonne von Jeeps herum und es klickten unzählige Fotoapparate.
Zum Mittag hielten wir an einem kleinen See mit Flusspferden, Pelikanen und Bussarden, welche sich wie Kamikazeflieger auf die Lunch boxen der Touristen stürzten.
Am Ende der Runde sahen wir noch Hyänen, welche sich um einen toten Grasfresser stritten, Elefantenbullen, die einsam durch den Krater wanderten sowie, Löwen die königlich in der Savanne drohnten. Wir fuhren am Abend wieder die steile Kraterwand hinauf in unser Camp, welches inzwischen von einer kleinen Gruppe Zebras in Beschlag genommen worden war.
Ein Elefantenbulle schaute auch noch vorbei.
14. September
Wir fuhren 90 Kilometer in die fruchtbare Hochebene des Nationalparks, in der unzählige Massai noch traditionell mit ihren Tieren leben. Es fand sich kein Ranger, also wurden 2 Massai-Jungen engagiert, welche uns zu einem Schwefelsee in einem schlafenden Vulkankrater führten.
Wir beobachten Flamingos und unser Bush Walk führte uns zu einem kleinen Nebenkrater. Die beiden Massai sammelten Salz für ihre Tiere am See. Am Horizont sahen wir den immer noch aktiven Vulkan Ol Doinyo Lengai, der heilige Berg der Massai.
Wir rasten zurück Richtung Camp durch diese großartige Landschaft, in der man gerne mehr Zeit verbracht hätte. Wir fuhren nach Mtamubu in der Nähe des Manyara Nationalparks, wo wir auch zelteten.
15. September
Wir fuhren am Morgen in den Manyara Nationalpark und uns begrüßten Horden von Affen, welche durch den Park streiften. Elefanten brachen durch die Büsche. Flusspferde lagen wie riesige Fleischberge faul in der Sonne. Gnus , Giraffen und Zebras zogen am trockenen Ufer des Sees entlang. Wir erreichten eine Quelle, aus der kochend heißes Wasser mit einem fauligen Geruch sprudelte. Nach drei Nationalparks und unzähligen Tieren hatten wir genug von Safari und höchstens ein Baumlöwe hätte uns noch aus dem Jeep hervor gelockt.
Dafür wurde es jetzt Zeit für einen Friseurbesuch und für ein paar Cent waren so gut wie alle Haare weg!
16. September
Heute brach der letzte Tag unserer Safari an. Wir schauten uns mit einem lokalen Guide Mtamubu an: die Reisfelder, die Bananenplantagen sowie die Herstellung des hier typischen Bananenbiers. Wir rührten in einem riesigen Topf Ugali und es ging zurück nach Arusha.
17. / 18. September
Wir verbrachten die nächsten zwei Tage in Arusha und planten unsere Weiterreise. Gerne wären wir auf Mafia-Island geflogen, allerdings mussten wir unser Reisebudget schonen und so kauften wir uns Bustickets nach Moshi. Am Sonntag fuhren John und Marie-Therese zu Johns krankem Vater auf dem Land. Der Rest der Gruppe schlemmte etwas in Arusha und genoss die Annehmlichkeiten der Zivilisation.
19. September
Wir fuhren mit einem Exklusivbus nach Moshi und verbrachten dort einen Tag mit Schlemmen und schauten uns diese reizlose Stadt etwas an. Das einzige Highlight, was diese Stadt zu bieten hat, ist der imposante Blick auf den Kilimanjaro. Rebecca, Manuel und John besichtigten die Augenklinik.
20. September
Am nächsten Morgen fuhren wir durch die Usambara-Berge nach Tanga. Diese alte Kolonialstadt war gut zum entspannen und es kam durch die direkte Nähe zum Meer richtige Urlaubsstimmung auf.
21. September
Erst am späten Nachmittag fuhren wir mit einem Bekannten von John nach Pangani, von wo aus wir mit einem Boot auf Sansibar übersetzen wollten. Zum Glück bekamen wir erst einige Tage später mit, dass 10 Tage zuvor eine Fähre, die von Tanga nach Sansibar wollte, völlig überfüllt gesunken war und 200 Menschen dabei ertranken.
22. September
Wir legten einen Strandtag in Pangani ein und organisierten eine Überfahrt auf Sansibar.
23. September
Ob das auch wirklich mit der Überfahrt klappt? Um 08.30 Uhr kam unser Boot. Ein kleines Holzboot für 12 Personen mit 2 Motoren. Damit soll man über den Indischen Ozean kommen? Zum Glück gab es Schwimmwesten, die sich allerdings als untauglich herausstellten. Wir fuhren bei starkem Seegang hinaus. Gerade als man das Festland nur noch schemenhaft erahnen konnte, fiel der erste Motor aus. Irgendwie schien einen das aber nicht so zu beunruhigen, da jeder von uns ( außer Nichtschwimmer John) über die Reling mit seinem Frühstück die Fische fütterte. Nach 6 Stunden erreichten wir Nungwi am nördlichen Zipfel von Sansibar. Seekrank und vollkommen erschöpft kamen wir an diesem traumhaften Strand an. Weißer Sand, türkises Wasser, Palmen – wie auf der aus Bacardi-Insel empfing uns.
Wir nahmen gleich das erste Hotel, welches sehr einfach aber für hiesige Verhältnisse auch preiswert war. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir am Strand.
25. September
Wir fuhren mit dem Bus nach Stone Town und ließen uns durch die Gassen dieser alten aber verfallenen Stadt treiben. John hatte hier Bekannte, die wir besuchten und mit denen wir den Abend zum Schlemmen in den Forodhani Gärten verbrachten. In der Nacht fuhren wir in einem Mini-Jeep zu sechst die 90 Kilometer zurück nach Nungwi.
27. September
Wir hatten einen Schnorchelausflug gebucht. Auf dem Weg zum Riff sahen wir zwei Delfinschulen, die einen Vorgeschmack auf die Unterwasserwelt gaben.
Wir kamen uns vor, als ob wir in einem Aquarium mit tausenden bunten Meerestieren schwammen. Wir segelten gemütlich zurück nach Nungwi.
28. September
Wir fuhren sehr beengt mit einem Bus nach Stone Town, wo wir die nächsten zwei Tage verbrachten. Wir schlenderten durch die Gassen und ließen uns von dem Flair dieser alten Stadt treiben.
30. September
Mit der Fähre setzten wir nach Dar es Salaam über und freuten uns, mit einem zivilisierteren Schiff überzusetzen. Es war ein ultramoderner Katamaran für mindestens 500 Passagiere. Dieser schoss so über die Wellen-Berge und fiel so tief in die -Täler, dass Brechtüten verteilt wurden, die sich bei der zwei stündigen Fahrt füllten.
Die nächsten zwei Tage in Dar es Salaam schauten wir uns die Stadt an, gingen in einen Hindutempel, in Parks und waren noch etwas shoppen. Den letzten Abend verbrachten wir in der Level 8 Bar im Kilimanjaro Hotel bei endlich mal guten Cocktails. Dann ging es zum Flughafen und wir traten unsere Heimreise an.
Sicher war unsere Tansania Reise ein wunderschönes Abenteuer und wir haben auch alles gesehen, was dieses zentralafrikanische Land zu bieten hat. Vor allem die Safaris und die Tierbeobachtungen sowie die Besteigung des Mount Meru haben mehr als unsere Urlaubserwartungen erfüllt. Sansibars Strände sind großartig und das exotische Flair ist wunderschön und hat uns den Alltag vergessen lassen.
Trotzdem muss man sagen, Tansania ist kein Land zum individuellen bereisen. Nur mit John’s Hilfe und sozialem Netzwerk war dies möglich. Man wird als Europäer immer als Geldschein gesehen und das Gefühl, dass die Menschen in diesem Land einen ständig über den Tisch zu ziehen versuchen ist schon stressig. Ganz anders ist es natürlich, wenn man privat bei einer Familie zu Gast sein darf. Da herrscht eine Freundlichkeit die nicht zu übertreffen ist.
Die Nationalparks mit der unbeschreiblichen Fauna und Flora werden nur erhalten, weil es Devisen bringt. Außerhalb dieser Parks wird auf die Natur keine Rücksicht genommen und jeder denkt nur an seinen persönlichen Profit. Das Thema Umweltschutz ist bei der Bevölkerung noch nicht angekommen.
Die Trinkgelder, welche von Guides, Trägern, Köchen, Ranger etc. teilweise erwartet werden sind unverschämt. Vielmehr sollten die Safariveranstalter ihre horrenden Einnahmen an ihre Angestellten weiter geben.
Vergesst dieses „ hakuna matata“. Tansania ist ein afrikanisches Land mit Korruption und Ausbeutung. Jeder versucht zu überleben und sich und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen.

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Da hast Du eine wunderschöne Erinnerung unserer Reise verfasst. Vielen Dank!
Vielleicht noch eine Anmerkung für Frauen: Man kann Stunden damit verbringen, sich schöne Zöpfchen-Frisuren flechten zu lassen. Zusammen mit maßgeschneiderten Kleider aus afrikanischen Stoffen fehlt nur noch die schwarze Haut, um sich einheimisch zu fühlen.
Ein unvergesslicher Urlaub mit meinen Lieben. Nur David hat gefehlt, eine wichtige Klausur stand ihm im Wege.
Ich habe den Reisebericht mit Interesse gelesen. Ich kann jedoch die Aussage das Land wäre nicht individuell zu bereisen nicht bestätigen. Sicherlich wird man keine Safari auf eigene Faust machen, aber es gibt noch sehr viele Möglichkeiten sich außerhalb der ausgetretenen Touristenpfade zu bewegen und nicht das Gefühl zu haben das man “ausgebeutet” wird. Wichtig ist nur eine gewisse Reiseerfahrung in nicht ganz alltägliche Länder und ein gewisses Maß an gesunden Menschenverstand. Ich habe Tansania vor einigen Jahren individuell bereist und kann es nur empfehlen. Beste Grüße Marco.